Der Original-Artikel „The Hijacking of Gender: A Feminist Take on Transgenderism“ wurde verfasst von T M Murray, PhD. Sie ist die Autorin von „Thinking Straight About Being Gay: Why it Matters If We’re Born That Way„.
Wir bedanken uns für die Erlaubnis, eine Übersetzung anzufertigen und diese hier zu veröffentlichen.
Übersetzung von Anna Strom.
Eine feministische Auseinandersetzung mit Transgenderismus
Das Gender-Konzept war mal cool. Unbeugsame Feministinnen wie Simone de Beauvoir, nutzten es um das, was zwischen den Beinen ist (sex [Anm. d. Übers: biologisches Geschlecht]) von dem zu unterscheiden, was zwischen den Ohren ist (gender [Anm. d. Übers: soziales Geschlecht]). Mit dem ersten kamst du zur Welt. Das letztere wurde dir anerzogen. Das zwischen deinen Ohren wurde dir durch die Indoktrination der patriarchalen Kultur eingepflanzt.
Als Frauen begannen, Rollen oder Positionen einnehmen zu wollen, die nur für Männer reserviert waren, griffen die Patriarchatspropagandisten auf die „Natur“ zurück, um dem patriarchalen System den Rücken zu stärken. Diese Taktik ging auf, weil unsere Kultur so voll gestopft ist mit Stereotypen, dass diese beinah „natürlich“ wirken. Die Theorie des biologischen Determinismus wurde benutzt um zu erklären, warum das Patriarchat keine politische Angelegenheit sondern eine biologische Zwangsläufigkeit sei. Soziobiologen wie E.O. Wilson vertraten vehement, dass das Patriarchat andauert, weil Gene die Kultur bedingen.
Der Ansatz war nicht neu. Freud hatte die patriarchale Kultur in Penis und Vagina (vor allem im allmächtigen Penis) verankert. Christliche Traditionalisten betrachteten schon von Beginn an die Verknüpfung der patriarchalen sozialen Ordnung mit den reproduktiven Funktionen als etwas durch die „Schöpfung“ Gegebenes, entsprechend für die Frau verbunden mit der Rollenzuschreibung als Mutter und Ehefrau. Evas Sünde und ihre Bestrafung durch Gott festigte die unterwürfige Beziehung der Frau zu ihrem Ehemann weiter. Paulus gab noch eine Prise Autorität des neuen Testaments hinzu, indem er von Frauen forderte, „ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn.“ Die heilige Institution der Ehe war eine menschliche Erfindung, enthielt aber die Absicht „Gottes“.
Ein paar sture Feministinnen weigerten sich, diese „Vernatürlichung“ des Patriarchats und seinen begleitenden biologischen Determinismus mitzumachen, und sahen die Erklärung für männliche Dominanz stattdessen in sozialen, kulturellen, theologischen, akademischen und wirtschaftlichen Institutionen. Existenzialisten wie Simone de Beauvoir verabscheuten es, Erklärungen für menschliches Verhalten zu akzeptieren, die behaupteten, dass dieses durch ein unverrückbares „Wesen“ festgelegt sei. Jean-Paul Sartre bestand darauf, dass sich der Charakter eines Individuums in Resonanz zu seinen Umständen, durch seine freien Entscheidungen, entwickelt. Wir werden hier hineingeworfen, in situ, konfrontiert mit unserem freien Willen, und wir müssen unsere Entscheidungen vor einem Hintergrund an Tatsachen treffen, die wir nicht beeinflussen können, wie beispielsweise dem biologischen Geschlecht in das wir hineingeboren werden. Aber was wir damit „machen“, liegt bei uns selbst. Während klar ist, dass nur Frauen Kinder gebären können, sind die damit verbundenen Konsequenzen nicht vorherbestimmt und die aktuelle Arbeitsaufteilung nur ein mögliches Arrangement einer Palette der uns zur Verfügung stehenden gesellschaftlichen Orgnaisationsformen.
So wie die einstigen Feministinnen, überschritten ursprünglich auch mal schwule, lesbische und bisexuelle Individuen die Geschlechterstereotype, die die Gesellschaft ihnen anerzogen hatte. Den normativen und weit verbreiteten heterosexistischen Gendermythen entsprechend, wurden diese „queeren“ Leute als „Butch“, „Sissies“, „Dykes“ und „Fairies“ gelabelt – Beleidigungen, die dazu dienen sollten, all jene zu stigmatisieren, die sich weigerten sich entsprechend der sexistischen und heterosexistischen Geschlechterrollen, die ihnen beigebracht wurden, zu verhalten und zu kleiden. Also entschlossen sich „Schwuchteln“ und „Lesben“ diese abfälligen Spitznamen zurückzuerobern, sie an sich zu nehmen und durch sie, als Zeichen des Widerstands, der Intoleranz der Kulturmythenschmiede den Spiegel vorzuhalten. Weiterlesen